Der Rosenkranz ist zuerst ein Gegenstand: eine Schnur mit 59 Perlen und einem Kreuz. Und er ist ein Gebet. Wer ihn betet, lässt die Perlen durch die Finger gleiten und spricht zu jeder ein kurzes, immer gleiches Gebet, vor allem das «Gegrüsset seist du, Maria». Die Hände zählen, der Mund wiederholt, und der Kopf wird frei für die einzelnen Momente aus dem Leben Jesu. Diese Momente heissen die «Geheimnisse».
Woher kommt er?
Beten mit Zählschnüren ist uralt und existiert in vielen Religionen. Der christliche Rosenkranz wuchs im Mittelalter. Ordensleute beteten täglich die 150 Psalmen; wer nicht lesen konnte, betete stattdessen 150 Ave Maria und zählte sie an Perlen ab. Der Überlieferung nach hat die Gottesmutter den Rosenkranz dem heiligen Dominikus geschenkt; seine heutige Form erhielt er im 15. Jahrhundert, und Papst Johannes Paul II. ergänzte 2002 die lichtreichen Geheimnisse. Das Wort «Rosenkranz» kommt von lateinisch rosarium, Rosengarten: Jedes Gebet gilt als Rose für Maria.
Warum Wiederholung?
Die Wiederholung ist kein Mangel an Fantasie, sie ist die Methode. Wie ein Weg, den man oft geht, wird das wiederholte Gebet vertraut und trägt von selbst. Man muss nichts leisten und nichts formulieren. Gerade weil die Worte immer gleich sind, können Herz und Gedanken zur Ruhe kommen, ähnlich wie beim Gehen oder bei einem vertrauten Lied. Viele beschreiben den Rosenkranz darum als Gebet, das «auch dann trägt, wenn einem die eigenen Worte fehlen».
Muss man dafür katholisch sein?
Der Rosenkranz ist ein katholisches Gebet, aber er steht allen offen. Wer ihn kennenlernen will, braucht keine Vorkenntnisse und keine perfekte Andacht. Es reichen eine Schnur mit Perlen und ein paar ruhige Minuten. Wie es geht, zeigt die Anleitung Schritt für Schritt.